Was ist Grauer Star? Und wie ein kleiner Eingriff den Grauen Star besiegen kann

Grauer Star: Getrübte Sicht im Alter – Wie ein kleiner Eingriff den grauen Star besiegen kann

Der Graue Star, auch Katarakt genannt, ist eine der häufigsten Augenkrankheiten im Alter und kann bis zur Erblindung führen. Wie man der Krankheit vorbeugen kann und wie man mögliche Warnsignale frühzeitig erkennen kann erklärt der Facharzt für Augenheilkunde und refraktive Chirurgie und medizinische Direktor von CARE Vision, Toam Katz M.D., im Interview.

Was genau ist ein Grauer Star?

Toam Katz, M.D.: „Der Graue Star oder Katarakt ist eine der häufigsten Augenerkrankungen im Alter und der Grund für über 40 Prozent aller Erblindungen weltweit. Betroffen sind meistens Patienten ab einem Alter von 60 Jahren, es können aber auch Jugendliche und Kinder von dieser Krankheit betroffen sein. Ein klassisches Symptom des Grauen Stars ist die Trübung der Linse, wodurch der Betroffene alles stark verschleiert sieht.

Die Ursachen sind der Medizin noch unklar. Es wird aber vermutet, dass die Linsentrübung durch eine Veränderung und Auskristallisierung der Struktureiweiße der Linse entsteht. Die Hornhaut bewirkt die stärkste Brechung des einfallenden Lichts und die Linse bündelt die Lichtstrahlen dann auf der Netzhaut. Durch Muskelbewegung streckt und wölbt sich die Linse und ermöglicht uns so einen scharfen Blick in der Nähe und der Ferne. Mit einer getrübten Linse ist das nicht mehr möglich, weil das einfallende Licht nicht mehr ungehindert hindurchtreten kann. Außerdem findet eine Streuung des Lichts statt und auf der Netzhaut kann kein scharfer Blick mehr entstehen.“

Welche Symptome treten bei einer Erkrankung auf?

Toam Katz, M.D.: „Die typischen Symptome eines Grauen Stars sind ein langsamer, aber schmerzloser Sehverlust und eine Abnahme der Sehschärfe, die die Sicht verschleiert. Außerdem leiden Betroffene unter zunehmender Blendempfindlichkeit, sie sehen Doppelbilder und einen Lichtschein um Objekte, ihre Sicht verliert an Kontrast, das räumliche Sehen ist eingeschränkt und die Sehschärfe in Nähe und Ferne verändert sich. Die Ausprägung der einzelnen Symptome ist abhängig von der Art der Erkrankung an Grauem Star.“

Es gibt unterschiedliche Varianten der Krankheit?

Toam Katz, M.D.: „Ja, man unterscheidet den Wasserspalten-Speichen-Katarakt, bei dem eine Trübung der Linsenrinde durch sogenannte Wasserspalten eintritt. Ungefähr 50 Prozent aller Altersstare beginnen mit dieser Variante.

Der hintere subkapsuläre Katarakt liegt bei ungefähr 20 Prozent aller Altersstare vor und es stellt sich hier eine frühe Sehstörung in der Nähe und eine hohe Blendempfindlichkeit ein.

Dann gibt es noch den sogenannten Kernkatarakt, bei dem sich das Zentrum der Linse sozusagen bewölkt. Diese Variante der Erkrankung schreitet eher langsam voran und beeinträchtigt das scharfe Sehen in der Ferne. Oftmals ist der Kernstar mit Kurzsichtigkeit verbunden. Ein Patient, der zum Beispiel zuvor Altersweitsichtig war, wird vorrübergehend, auch ohne Brille, besser sehen können. Diese vermeintliche Besserung der Sehschärfe ist aber nur von kurzer Dauer, denn die zunehmende Linsentrübung verursacht eine weitere Abnahme der Sehschärfe in allen Entfernungen.“

Wie wird ein Grauer Star behandelt?

Toam Katz, M.D.: „Zunächst sollte man wissen, dass es keine medikamentöse Behandlung des Grauen Stars gibt. Bei einer beginnenden Erkrankung kann versucht werden, die fehlende Sehschärfe mit entsprechenden Brillengläsern auszugleichen, wobei aber mit einer häufigen Anpassung der Brille zu rechnen ist.

Die einzig effektive Behandlungsmethode ist eine Operation der Augen. Durch die Implantation von Kunstlinsen kann das Sehvermögen wieder hergestellt werden. Dabei wird die trübe Linse einfach durch eine Kunstlinse, die meistens aus Acryl oder Silikon besteht, ersetzt.“

Wie läuft so eine Operation ab?

Toam Katz, M.D.: „Der Eingriff wird ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Übrigens gibt es keine andere Operation in Deutschland, die so häufig durchgeführt wird, wie eine Linsenimplantation. Diese OP ist also ein Routineeingriff und sie dauert ungefähr zehn Minuten.

Durch einen winzigen Schnitt am Rand der Hornhaut entfernt der Arzt die getrübte Linse und ersetzt sie durch die Kunstlinse. Diese ist so geformt, dass sie sich im Kapselsack des Auges selbst entfaltet und genau die Position der körpereigenen Linse einnimmt.

Nach der OP erhält der Patient eine Schützkapsel für die Nacht oder einen Salbenverband, der schon am nächsten Tag wieder entfernt werden kann. Der Schnitt an  der Hornhaut verschließt sich meistens von selbst, ohne dass er genäht werden muss. Die Heilung dauert ca. sechs bis acht Wochen, aber schon am Tag nach der OP kann der Patient seinen gewohnten Alltag wieder aufnehmen, große Anstrengungen sollten noch vermieden werden.

In der Regel stellt sich auch schon an diesem Tag eine Verbesserung der Sehschärfe ein, die sich im Laufe der Wochen nach der OP stetig verbessert, bis schließlich eine stabile Sehkraft erreicht ist. Behandelt wird simultan oder zunächst nur ein Auge und die OP des anderen Auges folgt dann ca. zwei bis sieben Tage später.“

Kann man etwas zur Vorbeugung gegen den Grauen Star tun?

Toam Katz, M.D.: „Ja, das kann man. Ich empfehle generell allen Menschen, ab ihrem vierzigsten Lebensjahr regelmäßig zum Augenarzt zu gehen. Eine Messung des Augeninnen-drucks, ein Sehtest und eine Spaltlampenuntersuchung der Linse können eine Erkrankung frühzeitig feststellen, denn häufig bleibt sie von den Betroffenen zunächst unbemerkt.

Im Alltag ist es ganz wichtig, die Augen vor dem Sonnenlicht zu schützen, man sollte deshalb immer eine Sonnenbrille tragen. Das gilt besonders für Kinder. Zudem ist ein gesundes und rauchfreies Leben immer ein wichtiger Schritt für die Erhaltung der Gesundheit, das gilt auch für die Augen. Im Alter kann der Graue Star auch durch die Einnahme bestimmter Medikamente ausgelöst werden, zum Beispiel durch Cortison. Auch Verletzungen oder Erkrankungen des Auges oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus können eine Erkrankung begünstigen.“

Wird die Linsenimplantation von den Krankenkassen gezahlt?

Toam Katz, M.D.: „Die Lage ist nicht eindeutig, aber in den meisten Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Implantation einer Monofokallinse. Bei der Implantation einer sogenannten Premium-Linse, wie einer Multifokallinse oder einer torischen Linse, ist der Eingriff keine Leistung der Krankenkassen. Ich rate jedem Betroffenen, sich im Vorfeld mit der eigenen Krankenkasse und dem behandelnden Arzt zu beraten. Der Eingriff kostet bei CARE Vision insgesamt ca. 5000€ für beide Augen. Patienten, die nach der Operation noch unter einer restliche Verkrümmung der Hornhaut leiden, werden dann kostenlos mit einer LASIK behandelt, um die maximale Sehleistung zu ermöglichen.“

Diese Hinweise können nicht die Untersuchung beim Augenarzt ersetzen.

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