Augen zu und durch? Was bei Augentrockenheit wirklich hilft

Augen zu und durch? Was bei Augentrockenheit wirklich hilft

Juckende, brennende Augen und ein Fremdkörpergefühl – das sind klassische Anzeichen für Augentrockenheit – ein Leiden, das in der medizinischen Fachsprache auch unter „Sicca-Syndrom“ bekannt ist. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Erkrankung der Augen, sondern um ein Symptom, das vielfältige Ursachen haben kann. Was im Akutfall zu tun ist und wie Betroffene vorbeugen können, erklärt Toam Katz M.D., medizinischer Leiter bei CARE Vision.

Woran erkennen Patienten trockene Augen?

Toam Katz: „Trockene Augen machen sich in der Regel durch ein Jucken oder Brennen der Augen bemerkbar. Dies kann mit einem ständigen Fremdkörpergefühl sowie tränenden und geröteten Augen einhergehen. Auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, eine verschwommene Sicht sowie müde Augen am Ende des Tages können auf Augentrockenheit hindeuten. In den meisten Fällen ist das Sicca-Syndrom gut behandelbar. Halten die Symptome jedoch über einen längeren Zeitraum an, ist ein Besuch beim Augenarzt ratsam. Er kann die genaue Ursache für die Beschwerden sicher diagnostizieren. Eine gängige Methode zur Diagnose des Sicca-Syndroms ist der sogenannte Schirmer-Test. Mit seiner Hilfe lässt sich überprüfen, ob das Auge ausreichend Tränenflüssigkeit produziert. Der Augenarzt hängt dazu einen kleinen Teststreifen aus Lackmuspapier in den unteren Bindehautsack ein, der sich mit Tränenflüssigkeit vollsaugt. Je nach Ausprägung der befeuchteten Strecke auf dem Papier kann der Arzt ablesen, ob Augentrockenheit vorliegt oder nicht. Der Test dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei. Allerdings empfinden manche Patienten das Prozedere aufgrund des eingehängten Papiers als unangenehm.“

Was sind die häufigsten Ursachen für eine Augentrockenheit?

Toam Katz: „Eine Augentrockenheit wird durch unterschiedlichste Faktoren begünstigt. Die Oberfläche unserer Hornhaut ist normalerweise mit einem schützenden Tränenfilm überzogen. Er sorgt für Feuchtigkeit, schützt vor Infektionen, versorgt die Hornhaut mit Sauerstoff und hält die Augen zudem sauber. Äußere Einflüsse wie zum Beispiel trockene Luft in klimatisierten oder stark beheizten Büro- und Wohnräumen sowie viele Stunden vor dem Computerbildschirm setzen unseren Augen zu. Die Arbeit am PC führt dazu, dass wir seltener blinzeln, was auf Dauer eine Austrocknung des Organs zur Folge hat, da die Hornhaut nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt wird. Neben diesen Ursachen können die Einnahme bestimmter Medikamente, darunter Betablocker und orale Kontrazeptiva, die Entstehung trockener Augen begünstigen. Auch eine Ernährung, die nicht genügend A-Vitamine sowie entzündungshemmende Stoffe enthält, mindert die Tränenflüssigkeit. Außerdem sind einzunehmendes Alter und Hormonumstellungen in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren häufige Ursachen. Trockene Augen können zudem nach einer Augenlaseroperation auftreten. Dies ist allerdings nur ein vorübergehendes Symptom, das bei gewissenhafter Nachsorge im Normalfall nach wenigen Tagen wieder verschwindet.“

Kann sich auch das Tragen von Kontaktlinsen negativ auf die Augen auswirken?

Toam Katz: „Ja, auch das dauerhafte Tragen von Kontaktlinsen kann Augentrockenheit hervorrufen. Da sie direkt auf dem Auge aufliegen, können auch sie den natürlichen Tränenfilm stören. Achten Sie daher beim Kauf unbedingt darauf, die Linsen von einem Spezialisten anpassen zu lassen.“

Was hilft im Akutfall? Kann ich vorbeugende Maßnahmen ergreifen?

Toam Katz: „Ja, Betroffene können den Heilungsprozess mit einfachen Mitteln unterstützen. Besonders im Winter hilft es, geschlossene Räume regelmäßig zu lüften. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist entscheidend, um den Tränenfilm feucht zu halten. Bei langen Bildschirmarbeiten empfiehlt es sich, regelmäßig Pausen einzulegen und den Blick etwa alle 20 Minuten in die Ferne schweifen zu lassen. Zusätzlich sollten Sie sich bewusst in Erinnerung rufen, zu blinzeln. Das verteilt einen schützenden Film über dem Augapfel und beugt der Austrocknung der Hornhaut vor. Linderung verschaffen auch spezielle Augentropfen ohne Konservierungsstoffe, welche die Augenoberfläche befeuchten. Diese sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.“

Und wenn die Symptome trotzdem anhalten?

Toam Katz: „Hält das Sicca-Syndrom trotz Behandlung einige Wochen an, sollten Sie der Ursache unbedingt genauer auf den Grund gehen und einen Arzt um Rat fragen, denn trockene Augen können in Einzelfällen auch als Begleitsymptom einer ernsthaften Erkrankung auftreten. So mindern zum Beispiel rheumatische Erkrankungen, Diabetes mellitus oder Arthritis die Tränenflüssigkeit. Auch Hauterkrankungen wie Akne Rosazea oder bestimmte Autoimmunerkrankungen können zu einer reduzierten Produktion der Tränenflüssigkeit führen.“

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