Vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal passiert: Sie wachen morgens auf und stellen fest, dass Sie plötzlich verschwommen sehen. Was ist dann zu tun? Einfach abwarten, in der Hoffnung, dass es wieder von alleine verschwindet oder schnell einen Termin beim Augenarzt vereinbaren? Es gibt verschiedene Ursachen für verschwommene Sicht. Die meisten von ihnen sind eher harmloser Natur.
Mögliche Ursachen für plötzlich unscharfes Sehen
Zunächst sollten Sie in einer solchen Situation ruhig bleiben, denn es können dem verschlechterten Sehen über Nacht durchaus leicht erklärbare und ungefährliche Ursachen zu Grunde liegen.
Natürliche Reaktion des Körpers auf unerwartete Situationen
Wenn Sie zum Beispiel zu schnell aus dem Bett aufstehen, kann es zu kurzzeitig verschwommener Sicht und sogar zu leichter Übelkeit kommen. Diese Symptome müssen dann nicht Ursachen einer ernstzunehmenden Krankheit sein, sondern entsprechen vielmehr einer natürlichen Reaktion des Körpers auf unerwartete Situationen. In der Fachsprache bezeichnet man diese als orthostatische Hypotonie, also einem rapiden Abfall des Blutdrucks. Es kann dazu kommen, dass Sie sich dann für einen kurzen Moment schwindelig fühlen und plötzlich verschwommen sehen, bis sich der Blutdruck innerhalb kurzer Zeit wieder von alleine reguliert.
Ungünstige Schlafposition

Manchmal kann eine unscharfe Sicht am Morgen auch an einer ungünstigen Schlafposition liegen, sodass der Sehnerv eingeklemmt wird. Dies kann sich dann darin äußern, dass Sie auf einem Auge verschwommen sehen, welches sich allerdings nach einer Veränderung der Position nach wenigen Minuten wieder von alleine normalisiert.
Nicht ausreichend korrigierter Sehfehler
Denkbar ist auch ein nicht ausreichend korrigierter Sehfehler, etwa bedingt durch eine Kurz- oder Weitsichtigkeit. Dieser tritt zwar nicht über Nacht auf, aber dennoch kommt es vor, dass Menschen, die an einer sehr leichten Sehschwäche leiden, diese von einem auf den anderen Moment als störend empfinden. Gerade in neuen Umgebungen fällt vielen Personen dann plötzlich ihre verschwommene Sicht – auf einem Auge oder auf beiden Augen – zum ersten Mal auf. Manchmal wird diese Unschärfe auch nur in einer bestimmten Entfernung wahrgenommen. Häufig fällt dann speziell in der dunklen Jahreszeit die schlechtere Sehschärfe in der Ferne auf. Auch neue Aufgaben oder Hobbys, die eine besonders gute Sehschärfe in der Nähe erfordern, werden eher bei schlechter Beleuchtung das erste Mal bemerkt. Ein einfacher Sehtest bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt oder ein Informationsgespräch können hier Klarheit bringen.
Chronisch trockene Augen
Auch chronisch trockene Augen stellen einen möglichen Auslöser für eine verschwommene Sicht dar. Grund dafür ist ein andauernder Mangel an Tränenflüssigkeit, der durch Faktoren wie langes Arbeiten am Computer, das Tragen von Kontaktlinsen oder aber fortgeschrittenes Alter verursacht werden kann. Vor allem morgens beobachten viele Menschen dann erst einmal unscharfes Sehen. Künstliche Tränenflüssigkeit oder kleine Verhaltensänderungen wie regelmäßige Pausen bei der Computerarbeit können hier bereits Abhilfe schaffen. Auch die regelmäßige Reinigung der Lidränder und Wimpern und Lidkanten bringen hier einen guten Effekt.
In manchen Fällen treten Symptome wie unscharfes Sehen auch plötzlich als Nebenerscheinung anderer Veränderungen des Körpers auf.
Augenmigräne oder Migränekopfschmerzen

Wer regelmäßig an Migräneattacken oder Augenmigräne leidet, kennt wahrscheinlich auch Symptome wie Lichtblitze, flackernde Sicht oder blinde Flecken. In einigen Fällen kann sogar das gesamte Sichtfeld eines Auges betroffen sein. In der Regel klingen die Beschwerden aber innerhalb einer Stunde wieder ab.
Glaskörpertrübungen in den Augen
Ein weiterer möglicher Grund für verschwommene Sicht, können vorüberziehende Flecken oder Glaskörpertrübungen sein, die ins Sichtfeld treiben. Die sogenannten „fliegenden Mücken“ treten typischerweise auf, da sich der gelartige Glaskörper des Auges mit zunehmendem Alter leicht verflüssigen kann. Mikroskopisch kleine Gewebestücke werden dann innerhalb des Glaskörpers freigesetzt, die Schatten auf die Netzhaut werfen.
Woher kommen diese “Fliegende Mücken”?
Bei den „Fliegenden Mücken“ handelt es sich um Trübungen am
Glaskörper, welcher als gelartige Substanz einen großen Teil des Augapfels in der hinteren
Augenkammer ausfüllt. Er besteht neben einem kleinen Anteil aus Eiweißbestandteilen und
Bindegewebsfasern zum Großteil aus Wasser. Mit dem natürlichen Alterungsprozess ballen sich
Eiweißbestandteile und Fasern zusammen und lassen kein Licht mehr passieren – ein kleiner
schwarzer Fleck entsteht.
Sind sie gefährlich?
Zugegebenermaßen sind “fliegende Mücken” sehr unangenehm, aber es handelt sich nicht um
eine Krankheit. In vielen Fällen scheinen sie sich wieder in Luft aufzulösen. Die „fliegenden
Mücken“ sind also nicht gefährlich.
Können sie behandelt werden?
Ja und nein. Es gibt eine Behandlungsmöglichkeit, die sogenannte Vitrektomie. Diese entfernt
den Glaskörper und ersetzt ihn mit einer salzhaltigen Lösung. Jedoch ist die Komplikationsrate
bei einem solchen Eingriff so hoch, dass die Behandlung nur in extremen Fällen, nämlich wenn
die „fliegenden Mücken“ das Sehen zu stark stören, empfehlenswert ist.
Schwangerschaft
Hormonelle Veränderungen, die während der Schwangerschaft auftreten, gelten ebenfalls als mögliche medizinische Auslöser für unscharfes Sehen. So kann sich in dieser Zeit sowohl die Form als auch die Dicke der Hornhaut verändern und auch trockene Augen treten bei schwangeren Frauen häufiger auf. Auch wenn Sehstörungen während der Schwangerschaft kein ernsthaftes medizinisches Problem darstellen müssen, sollten Sie im Zweifel einen Augenarzt oder eine Augenärztin kontaktieren, da es sich auch um Indikatoren für Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck handeln kann.
– Schwangerschaftsdiabetes: Manche Frauen leiden an einer Schwangerschaftsdiabetes, welche Grund für unscharfes Sehen sein kann. Diese Art von Diabetes verschwindet zwar bald nach der Geburt wieder, muss jedoch engmaschig kontrolliert werden, um gesundheitliche Schädigungen für Mutter und Kind auszuschließen.
– Präklampsie: Wenn zusätzlich zu dem unscharfen Sehen ein starker Kopfschmerz auftritt und diese Beschwerden mehr als zwei oder drei Stunden bestehen bleiben, könnte es sich um eine Präklampsie handeln. Dies ist eine schwere Schwangerschaftskomplikation, die mit einer arteriellen Hypertonie in Verbindung steht. Um schwerwiegende Folgen zu verhindern, muss in diesem Fall umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
– Andere Gründe für unscharfes Sehen in der Schwangerschaft können Blutarmut, ein niedriger Blutdruck, Migräne oder Dehydratation sein.
Auf jeden Fall sollten daher Schwangere bei Einschränkungen im Sehvermögen einen Arzt aufsuchen, um schwerwiegende Komplikationen auszuschließen oder zu verhindern.
Medizinische Hintergründe für unscharfes Sehen
Sollte sich das plötzlich unscharfe Sehen nicht durch oben genannte Faktoren erklären lassen, gilt es mögliche Hintergründe einer augenmedizinischen Erkrankung mit einer Augenärztin oder einem Augenarzt abzuklären. Diese hängen häufig mit folgenden drei Faktoren zusammen:
- Trübung des Okularapparats, im Speziellen im Zellgewebe des Auges. Im Normalfall sind diese Gewebe durchsichtig. Besonders im Alter kann es jedoch zu einer Trübung kommen.
- Probleme der Nerven, die die Informationen und Sehimpulse vom Auge an das Gehirn weitergeben. Bei einer Entzündung des Sehnervs kommt es neben einer Verschlechterung der Sicht auch zu Druckgefühl im Auge, sowie Schmerzen bei Augenbewegungen.
- Veränderungen der Netzhaut, der empfindlichen Zone im hinteren Teil des Auges. Sie nimmt durch Millionen Sinneszellen das Licht auf und wandelt es in elektrische Impulse um, die an die Nerven weitergegeben werden.
Verschwommenes Sehen kann auf eine Krankheit hindeuten
Eine unscharfe Sicht kann in manchen Fällen auch auf ernstzunehmende Krankheiten hindeuten, die es mit einer Ärztin oder einem Arzt abzusprechen gilt.
- Insbesondere verschwommene Sicht am Morgen, die sich im Laufe des Tages verbessert, kann auf einen noch nicht entdeckten Diabetes mellitus hindeuten. Veränderungen des Blutzuckerspiegels können zu Wassereinlagerungen in der Linse führen. Dies kann sich zudem durch deutliche Veränderungen der Sehschärfe bemerkbar machen und sollte mit einem Augenarzt abgeklärt werden.
- Durch eine Bindehautentzündung ist die Sehschärfe häufig reduziert, die Augen zudem meist verklebt. Das sollte vom Augenarzt abgeklärt werden, kann aber unkompliziert mit Tropfen behandelt werden.
- Ab der zweiten Lebenshälfte steigt das Risiko an Grauem Star, auch Katarakt genannt, zu erkranken. Die Sehkraft geht meist schleichend verloren, da sich die Linse nach und nach eintrübt. Betroffene haben zunehmend das Gefühl, durch einen Schleier zu sehen. Aktuell gibt es keine Medikamente zur Behandlung des Grauen Stars, jedoch verspricht eine Operation eine deutliche Verbesserung des Sehvermögens.
- Im Alter kann es zu Ablagerungen an der Makula, der Stelle der Netzhaut kommen, die für scharfes Sehen besonders wichtig ist. Diese führen dazu, dass sich verschiedene Schichten des Auges zurückbilden. Expertinnen und Experten sprechen hier von altersbedingter Makuladegeneration. Da die Krankheit das Sehfeld sehr einschränken kann, sind entsprechende regelmäßige Kontrollen ab einem Alter von 60 empfehlenswert.
Plötzlich unscharfe Sicht: Wann sollten Sie zum Arzt?
Nicht immer hat die plötzlich auftretende unscharfe Sicht eine behandlungsbedürftige Ursache. Wenn das verschwommene Sehen anhält und sich nicht innerhalb weniger Minuten von alleine wieder normalisiert, sollten Sie diese Symptome jedoch durchaus ernst nehmen.
In diesem Fall sollten Sie so bald wie möglich eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Insbesondere, wenn ein plötzlicher schmerzloser Sehverlust auf einem Auge auftritt, ein sogenannter Sehsturz, kann dies ein Warnzeichen für einen Schlaganfall sein. Auch eine Netzhautablösung verursacht einen teilweisen oder kompletten Ausfall des Sehens und sollte schnell erkannt werden.
Es gibt weitere akute Gründe für Sehverschlechterungen wie Schäden oder Entzündungen am Sehapparat. Bei all diesen möglichen Ursachen ist eine umgehende augenärztliche Diagnose und gegebenenfalls Behandlung nötig.
Selten hat eine Sehverschlechterung so dramatische Ursachen. Schlechte Kontaktlinsenhygiene und damit verbundene Ablagerungen auf der Linse, Überdosis an UV-Strahlung oder einfach nur vertauschte Kontaktlinsen können Gründe sein.
Kurz zusammengefasst
Es gibt zahlreiche Ursachen für verschwommene Sicht. Zu den häufigsten zählen ein rapider Abfall des Blutdrucks, trockene Augen oder ein nicht ausreichend korrigierter Sehfehler. Unscharfe Sicht kann aber auch als Begleiterscheinung beispielsweise bei Migräneattacken oder als Reaktion auf bestimmte Medikamente oder Augentropfen auftreten.
Es gilt zunächst Ruhe zu bewahren und mögliche Auslöser zu klären, damit entsprechende Maßnahmen vorgenommen werden können. Generell sollten Sie im Zweifel eine Expertin oder einen Experten aufsuchen, um die richtige Diagnose zu stellen.
Bei einem plötzlichen Sehverlust oder wenn sich die unscharfe Sicht nicht innerhalb kurzer Zeit von alleine wieder normalisiert, sollten Sie so bald wie möglich eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Neben einer eingehenden Untersuchung der Augen, sollte auch eine allgemeine Anamnese erfolgen, um jegliche Ursachen abzuklären.

Diese Inhalte wurden von Dr. med. Robert Wagner, Facharzt für Augenheilkunde bei CARE Vision, geprüft.
Herr Dr. med. Robert Wagner ist Facharzt für Augenheilkunde mit Schwerpunkt auf Augenlaserbehandlungen, der Behandlung von Alterssichtigkeit, Kataraktoperationen und ICL-Linsen. Durch seine langjährige Tätigkeit, kontinuierliche Fortbildung und Mitgliedschaften in führenden Fachgesellschaften gilt er als anerkannter Experte für refraktive Chirurgie.