Stress kann dem ganzen Körper, aber vor allem auch den Augen schaden. Plötzlich trübt ein dunkler Fleck das Gesichtsfeld, die Umgebung erscheint verzerrt, Farben werden nicht mehr richtig wahrgenommen und das Lesen fällt schwer – dies alles können Anzeichen für stressbedingte Sehstörungen sein. Was man selbst tun kann und wann man zum Arzt sollte erfahren Sie hier.
Augengesundheit und Psyche
Ob im Beruf oder im Privatleben – jeder von uns durchlebt mal die eine oder andere stressige Phase. Nimmt der Stress überhand, kann er nicht nur unsere seelische, sondern auch die körperliche Gesundheit schwer belasten. Depressionen und das Burnout-Syndrom sind in diesem Zusammenhang zwei Beispiele für ernsthafte psychische Erkrankungen, die unter anderem durch ein zu hohes Stresslevel ausgelöst werden können. Doch auch Einschränkungen beim Sehen sind häufige Symptome von Überlastung. Was genau steckt genau dahinter und wie ernst sollten Betroffene diese Sehprobleme nehmen? Unser Experte Dr. Ulrich Engelskirchen, Facharzt für Augenheilkunde und Teil des medizinischen Leitungsteams bei CARE Vision Germany erklärt das Zusammenspiel von Augengesundheit und Psyche und verrät, was im Ernstfall zu tun ist.

Was viele nicht wissen: Besonders unsere Augen, genauer gesagt unsere Sehkraft, kann durch psychischen Stress massiv in Mitleidenschaft gezogen werden. „Die Symptome treten häufig sehr plötzlich auf“, erklärt Dr. Ulrich Engelskirchen. „Die Betroffenen erleben einen Gesichtsfeldausfall, sehen Farben schlechter oder haben große Probleme mit dem Lesen. Auch Lidkrämpfe, extrem trockene Augen und zwanghaftes Blinzeln können auftreten.“ Auch können Migräne-Anfälle durch Stress häufiger auftreten und mit flimmerartigen Sehausfällen in Verbindung mit der Migräneattacke auftreten. Lässt sich keine körperliche Ursache für die Beschwerden diagnostizieren, liegt die Vermutung nahe, dass die Symptome psychosomatischer Natur sind – ausgelöst durch zu viel Stress.
Sehstörung RCS
Die Erkrankung, die hinter den psychosomatischen Sehbeschwerden stecken kann, heißt Retinopathia centralis serosa (RCS) – umgangssprachlich auch Managerkrankheit genannt. „Diese relativ unbekannte Erkrankung ist unbedingt ernst zu nehmen, denn ihre Symptome werden von einer zentralen Abhebung der Netzhaut ausgelöst. Dadurch kann Flüssigkeit unter die Netzhaut gelangen und die Behandlung erfordert eine wochenlange Heilungsphase mit oftmals langen Ausfallzeiten“, warnt der Augenexperte.
Ursachen für stressbedingte Sehstörungen
Betroffen sind häufig jüngere Männer unter 50 Jahren, Frauen hingegen leiden etwa achtmal seltener unter der Managerkrankheit. Die genauen Ursachen für ihre Entstehung sind noch weitgehend unbekannt. Auffällig aber ist, dass die Betroffenen oftmals jung und sehr ehrgeizig im Job und deshalb oftmals einem hohen Stresslevel ausgesetzt sind. Der erfahrene Augenarzt erklärt: „Man spricht hier von sogenannten Typ-A-Persönlichkeiten. Ihr Blut weist häufig eine erhöhte Konzentration des Stresshormons Cortisol auf. Dadurch können die Blutgefäße in der Aderhaut brüchig werden und Wasser kann in die Netzhaut gelangen, wodurch die Beschwerden ausgelöst werden.“
Die Psychosomatik spielt hier eine große Rolle. Hierbei spürt der Betroffene tatsächlich die Symptome, diese sind jedoch nicht organischer, sondern psychischer Ursache. Häufig tritt dies auch bei Patienten mit Angststörungen auf. Hier hilft in vielen Fällen eine Psychotherapie, um mit dem Auslöser für Stress bzw. der Angst besser umgehen zu können.
Was hilft gegen Sehprobleme durch Stress?
Treten die genannten Symptome auf, sollten Betroffene einen Augenarzt aufsuchen. „Die RCS hat eine relativ hohe Spontanheilungsquote. Das bedeutet, dass sich das erkrankte Auge in vielen Fällen innerhalb von drei bis sechs Monaten von selbst regeneriert. Ist dies nicht der Fall, muss die Erkrankung mithilfe einer Laserbehandlung therapiert werden. Dabei wird die geschädigte Netzhaut mittels Laserlicht mit ihrem Untergrund versiegelt“, so der Experte.
In jedem Fall ist den betroffenen Patienten angeraten, Stress auslösende Faktoren in ihrem Leben zu reduzieren, den Augen gezielte Auszeiten zu gönnen – zum Beispiel von langer Bildschirmarbeit. Auch eine gesunde Ernährung mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr spielt dabei eine wichtige Rolle. „Sonst droht die Gefahr vor stetigen Rückfällen, was die Heilungszeit und die berufliche Ausfallzeit erheblich verlängern kann“, erklärt Privatdozent Dr. Engelskirchen.

Diese Inhalte wurden von Dr. med. Ulrich Engelskirchen, Facharzt für Augenheilkunde bei CARE Vision, geprüft.
Herr Dr. med. Ulrich Engelskirchen ist Facharzt für Augenheilkunde mit Schwerpunkt auf Augenlaserchirurgie, Kataraktoperationen und Netzhautbehandlungen. Dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung und seiner Tätigkeit als KRC-Trainer zählt er zu den anerkannten Experten für refraktive Chirurgie.