Tränen – Wie sie den Augen helfen

Tränen, Freude oder Schmerz – im Laufe eines Lebens vergießt ein Mensch im Durchschnitt 100 Liter Tränenflüssigkeit. Die meiste Zeit verläuft die Tränenproduktion, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Manchmal ist uns aber so zum Heulen, dass wir unsere Tränen kaum zurückhalten können. Eines haben aber alle Tränen gemeinsam: Sie sind gut für unsere Augen. Woraus unsere Tränen bestehen und warum sie für die Gesundheit unserer Augen so wichtig sind, erklärt Toam Katz M.D., Facharzt für Augenheilkunde und medizinischer Direktor bei CARE Vision.

Warum weinen wir?
Toam Katz M.D.: „Warum genau uns in bestimmten Situationen die Tränen kommen, ist der Wissenschaft noch immer weitgehend ein Rätsel. Hierzu gibt es zahlreiche Theorien. Eines steht jedoch fest: Für unsere Augen haben Tränen immer eine schützende und reinigende Funktion. Gelangen zum Beispiel Fremdkörper ins Auge, arbeiten unsere Tränendrüsen auf Hochtouren. Das Ziel: Den Fremdkörper hinausspülen, bevor er unseren Augen schaden kann. Auch bei bestimmten Reizen, zum Beispiel den Dämpfen beim Zwiebelschneiden, wird die Tränendrüse aktiviert. Durch die Flüssigkeit und den Lidschlag wird das Auge gereinigt und von vermeintlich schädlichen Stoffen befreit. Ein Enzym in der Tränenflüssigkeit wirkt Infektionen entgegen und hemmt Bakterien.“

Woraus besteht die Tränenflüssigkeit?
Toam Katz M.D.: „Unsere Tränenfilm besteht aus drei sehr komplexen Schichten. Die innerste Schicht (Muzinschicht) ist von eher schleimiger Konsistenz und begünstigt die Verteilung des Tränenfilms auf der Hornhaut. Die mittlere Schicht (wässrige Schicht) besteht zu 98 Prozent aus Wasser und bildet den größten Anteil des Tränenfilms. Die dritte, äußerste Schicht (Lipidschicht) ist fetthaltig und verhindert ein schnelles Verdunsten des Tränenfilms. Diese drei Tränenschichten enthalten Wasser, Salze, Proteine, Enzymen und Lipide (Fett) und benetzen die Oberfläche der Augen mit feuchtigkeitsbindenden Nährstoffen.“

Wie helfen Tränen unseren Augen?
Toam Katz M.D.: „Die Tränenflüssigkeit wird kontinuierlich in den Tränendrüsen produziert und wird durch den Lidschlag alle fünf bis zehn Sekunden gleichmäßig über die Augenoberfläche verteilt. Sie benetzt die Lidinnenseite sowie die Bindehaut und Hornhaut. Dadurch bleibt die Oberfläche des Augapfels glatt und geschmeidig und somit eine gute Sehfunktion gewährleistet. Des Weiteren gehören die Abwehr von Bakterien und Viren und das Ausschwemmen von Fremdkörpern zu ihren Aufgaben. Von großer Bedeutung ist auch die Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Da die Hornhaut keine eigenen Blutgefäße besitzt, wird der Sauerstoff direkt aus der Luft über den Tränenfilm an die Hornhaut transportiert. Blutgefäße auf der Hornhaut würden unser Sehvermögen immens einschränken. Ist der Tränenfilm verändert, muss die Hornhaut den nötigen Sauerstoff über die Blutgefäße der Bindehaut beziehen. Dies ist zum Beispiel auch während des Schlafens der Fall. Daher haben viele Menschen morgens gerötete Augen.“

Was passiert, wenn zu wenig Tränenflüssigkeit vorhanden ist?
Toam Katz M.D.: „Ist unser Tränenfilm instabil, werden unsere Augen trocken. Entweder ist die gesamte Tränenmenge vermindert oder einzelne Komponenten des Tränenfilms (wässrig, schleim-, fetthaltig) werden nicht mehr in ausreichendem Maße hergestellt. Die Augen kratzen, brennen, werden lichtempfindlich, die Bindehaut rötet sich und ein Fremdkörpergefühl kann entstehen. Ist nur die Lipidschicht gestört, kann es auch sein, dass die Augen anfangs mit vermehrtem Tränenfluss reagieren. Die wässrige Schicht läuft jedoch einfach ab. Die Augen werden nass, die Feuchtigkeit kann aber nicht vom Auge gespeichert werden. Die Ursache für trockene Augen (med. Sicca-Syndrom) und Störungen im Tränenfilm sind vielfältig. Beispielsweise können bestimmte systemische Erkrankungen zu trockenen Augen führen. Dazu zählen unter anderem Diabetes mellitus, verschiedene rheumatische Erkrankungen und bestimmte Hauterkrankungen. Auch manche Medikamente wie die Anti-Baby-Pille, Schlaf- und Beruhigungsmittel haben Einfluss auf den Tränenfilm und begünstigen trockene Augen. Bei Frauen spielen ebenfalls Hormonumstellungen in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren eine Rolle. Unsere alltägliche Umgebung nimmt auch direkten Einfluss auf die Menge und Qualität unserer Tränenflüssigkeit. Trockene Umgebungsluft, Klimaanlagen, Staub und auch das stundenlange Arbeiten am Computer belasten unsere Augen und fördern trockene Augen. Werden die Augen durch anhaltende trockene Luft, lange Computerarbeit und zu seltenes Blinzeln ausgelöst, spricht man auch vom office-eye-syndrom.“

Kann man die Produktion von Tränenflüssigkeit selbst ankurbeln?
Toam Katz M.D.: „Die Tränendrüsen lassen sich mit einem einfachen Trick aktivieren. Man sollte im Laufe des Tages immer wieder ganz bewusst mit dem Wimpern klimpern. Wer die Augen öfter vollständig schließt und wieder öffnet, kurbelt die Produktion von Tränenflüssigkeit an. Noch ein Tipp: Wenn man wegen eines traurigen Films oder einem freudigen Ereignis den Tränen nahe ist, sollte man sie nicht zurückhalten. Weinen tut der Seele und vor allem auch unseren Augen gut. Sollte die Selbstaktivierung nicht ausreichend sein, können künstliche Tränen aus der Apotheke helfen. Tritt auch dann keine Besserung ein, sollte zur Sicherheit ein Augenarzt aufgesucht werden. Trockene Augen begünstigen nämlich eine Reihe verschiedener Augenkrankheiten und sind viel infektionsanfälliger als Augen mit normalem Tränenfilm. Das kann ernste Folgen haben. Ist die Produktion von Tränenflüssigkeit chronisch gestört, droht langfristig eine Binde- und Hornhautentzündung. Sogar das Sehvermögen kann sich verschlechtern.“

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