Allergische Reaktion der Augen: Expertentipps bei Heuschnupfen und Pollenallergie

Viele Menschen haben mit Allergien zu kämpfen. Die meisten Allergien wirken sich auf die Atemwege und die Haut, aber sehr häufig auch auf die Augen aus. Mit Beginn der Pollensaison sind Pollenallergien und Heuschnupfen für viele betroffenen ein leidiges Thema. Die Augen sind gereizt und brennen oder Tränen. Im Interview beantwortet der medizinische Direktor von CARE Vision und privat Dozent, Toam Katz M.D. Fragen zum Thema Augen und Allergie.
Die Pollensaison hat gerade begonnen. Was genau passiert bei einer Allergie?
Toam Katz M.D.: „Besonders im Frühjahr leiden viele Menschen unter einer Pollenallergie und reagieren z.B. auf Birken-, Erlen- und Haselpollen. Im Sommer kommen dann noch die Gräser und Blütenpollen hinzu. Den Allergikern steht also eine schwere Zeit bevor. Insgesamt leiden übrigens ca. 16 Prozent der Deutschen unter einer Pollenallergie. Unser Körper hat eine eigene Polizei, das Immunsystem. Wenn wir mit Krankheitserregern in Berührung kommen, erkennt das Immunsystem diese als „Feinde“ und macht sie unschädlich. Bei einer Allergie ist es so, dass die sogenannten Allergene, wie z.B. Pollen, für unseren Körper im Grunde völlig harmlos sind. Aber unser Immunsystem reagiert auf die Pollen mit einer starken Überempfindlichkeit, der allergischen Reaktion. Der Körper bildet Antikörper, die sich merken, wie die Allergene aussehen. Kommen wir dann ein weiteres Mal mit ihnen in Kontakt, kommt es zu einer starken Sofortreaktion. Unser Immunsystem setzt einen körpereigenen Stoff frei, das Histamin. Durch diesen Stoff entsteht letztendlich die allergische Reaktion.“

Warum sind die Augen bei manchen Allergikern so stark betroffen?
Toam Katz M.D.: „Die Augen werden von der sogenannten Bindehaut geschützt. In ihr sitzen enorm viele Zellen, die an der Immunabwehr unseres Körpers arbeiten und die Allergene bekämpfen. In der Tränenflüssigkeit sind diese Abwehrzellen ebenfalls zu finden. Das ist der Grund, weshalb die Augen so stark reagieren können. Bei einer Allergie sind übrigens immer beide Augen betroffen.“

Welche Symptome sind typisch für eine allergische Reaktion der Augen?
Toam Katz M.D.: „Der Augenarzt spricht von einer Bindehautallergie oder auch allergischen Konjunktivitis. Durch das freigesetzte Histamin erweitern sich die Blutgefäße und es tritt als typisches Symptom eine Rötung der Augen ein. Es kommt zu einem starken Austritt von Flüssigkeit. Durch durchlässige Blutgefäße tritt Blutplasma in das Gewebe aus und die Augenlider schwellen an. Zudem beginnen die Augen stark zu jucken und zu brennen. Häufig kommt es auch zu sehr trockenen Augen. Viele Allergiker reagieren zudem empfindlicher auf Licht. Die Bindehautallergie tritt sehr häufig mit anderen Symptomen wie Niesen und geschwollener Nasenschleimhaut auf. Teilweise leiden die Betroffenen auch unter Hautreaktionen und Atemwegsbeschwerden wie z.B. Asthma. In jedem Fall sollte man einen Augenarzt aufsuchen, wenn diese Symptome auftreten. Es könnte sonst zu einem bleibenden Augenschaden kommen. Bei manchen Betroffenen reagieren die Augen sehr viel stärker als die Nase.“

Wie wird eine Allergie behandelt?
Toam Katz M.D.: „Vielen Betroffenen helfen antiallergische Augentropfen. Sie enthalten Antihistaminika und verhindern den Einsatz der Histamine, die ja letztendlich die allergische Reaktion auslösen. Wenn man diese Augentropfen präventiv einsetzt, also vor einem möglichen Kontakt mit Pollen, kann man die allergische Reaktion schon im Vorfeld unterbinden. Falls die antiallergischen Augentropfen die Beschwerden nicht lindern, helfen kortisonhaltige Augentropfen. Sogenannte „Weißmacher“ können die allergische Reaktion reduzieren, indem sie die Blutgefäße der Bindehaut verengen. Die Rötung nimmt ab und das Auge wird wieder weiß. Allerdings stören sie mit der Verringerung der Durchblutung auch die Ernährung der Binde- und der Hornhaut. Die allergische Reaktion an sich wird wenig beeinflusst und die Beschwerden können schon nach kurzer Zeit wieder auftreten. Ich würde den Einsatz von „Weißmachern“ nur über einen sehr kurzen Zeitraum empfehlen. Ein weiteres Mittel sind die Mastzellenstabilisatoren. Sie dienen der Vorbeugung der allergischen Reaktion und müssen zwei bis drei Wochen vor der Pollensaison in Form von Augentropfen eingenommen werden. Sie verhindern die Ausschüttung des Histamins. Jeder Allergiker sollte außerdem über eine Hypo- oder Desensibilisierung nachdenken. Diese spezielle Immuntherapie kann bis zu drei Jahren dauern und der Patient erhält über diesen Zeitraum regelmäßige Impfungen. Diese Therapie kann aber nur in der pollenfreien Zeit begonnen werden. Rund 80% der Allergiker können durch eine Desensibilisierung von ihren Beschwerden befreit werden. Diese Empfehlungen ersetzen jedoch eine individuelle ärztliche Beratung nach fachkundiger Untersuchung nicht.“

Haben Sie ein paar Ratschläge, wie man den Pollen ausweichen kann?
Toam Katz M.D.: „Ja, Allergiker können eine ganze Menge von Maßnahmen ergreifen, um die Pollenbelastung im Alltag so gering wie möglich zu halten. Ein Pollenkalender gibt zunächst jeden Tag Auskunft über die Stärke des Pollenfluges. In den frühen Morgenstunden ist die Belastung am höchsten und Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben. Allergiker sollten sich häufiger als sonst das Gesicht und die Hände waschen. Unbedingt sollte häufiges Augenreiben vermieden werden, denn das kann die allergischen Symptome verstärken. Das abendliche Waschen der Haare spült Pollen fort und verhindert, dass sie auf das Kopfkissen gelangen. Auch das Tragen einer Sonnenbrille bietet den Pollen im Freien weniger Angriffsfläche auf die Augen. Allergikern, deren Augen womöglich schon durch häufiges Tragen von Kontaktlinsen gereizt sind oder die es Leid sind, dass sich die Pollen auch gerne mal auf der Brille verstecken, kann mit einer Augenlaserkorrektur langfristig geholfen werden. “

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