Kann eine Iris-Diagnose Krankheiten offenbaren?

Kann eine Iris-Diagnose Krankheiten offenbaren?

Eine Analyse der Iris (Regenbogenhaut des Auges) soll angeblich Hinweise auf Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten liefern. Heilpraktiker, Naturheilkundler und Homöopathen gehen seit Jahrhunderten davon aus, dass zwischen allen Körperteilen und Organen eine feste Nervenverbindung zur Iris des Auges besteht. Krankheitsanzeichen ließen sich so aus den Pigmentflecken, Streifen oder Ringen der Iris „herauslesen“ und frühzeitig erkennen. Wir haben unseren Experten Privatdozent Toam Katz M.D. gefragt, ob eine Iris-Diagnose  ein geeignetes Verfahren ist, um potentiellen Krankheiten vorzubeugen.

Was genau kann man sich unter einer Iris-Diagnose vorstellen?

Privatdozent Toam Katz M.D.: „In der alternativen Medizin wird das Auge als Spiegel der Seele gesehen, das den Zustand einzelner Organe sichtbar machen kann. Die Iris, der farbige Bereich des Auges, der die Pupille umrandet, soll Rückschlüsse in Bezug auf Krankheitsneigungen sowie die körperliche und seelische Verfassung eines Menschen zulassen. Die Iris-Diagnose wird in diesem  Umfeld verwendet, um mögliche Ursachen für vorhandene oder zukünftige Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und reagieren zu können, noch bevor klinische Befunde positive Ergebnisse für eine bestimmte Indikation zeigen. Sie wird gewissermaßen als Erstdiagnose genutzt, bevor weitere Schritte zur klinischen Abklärung eingeleitet werden. Die Iris-Diagnose ist also keine medizinische Diagnose im eigentlichen Sinne, sondern lediglich ein Hilfsmittel zur Diagnosefindung. Sie sollte niemals für sich alleine stehen.“

Wie funktioniert die Untersuchung der Regenbogenhaut?

Privatdozent Toam Katz M.D.:„Die Farbe der Iris ist abhängig vom Pigmentgehalt der Membranschichten. Die Grundfarbe sowie die grobe Struktur der Iris sind genetisch bedingt. Da sie im Laufe des Lebens jedoch zahlreichen Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, kann sie sich noch verändern. Bei der Analyse wird die Regenbogenhaut mithilfe eines starken Vergrößerungsglases und einer Lichtquelle betrachtet oder fotografiert. Das Bild wird auf einen Monitor übertragen, auf dem die feinsten Strukturen, Farben und Verästelungen der Iris sichtbar werden.“

Und was verrät die Iris über unsere Gesundheit?

Privatdozent Toam Katz M.D.: „Laut den Iris-Diagnostikern lassen sich aus den sichtbaren Veränderungen, z.B. Aufhellungen, Abdunkelungen, Farbflecken sowie auffälligen Gefäßzeichnungen auf der Regenbogenhaut Rückschlüsse auf Stoffwechselstörungen, Bindegewebsschwächen und Entzündungen ziehen. Aus den unterschiedlichen Pigmentierungen kristallisieren sie einzelne Typen heraus, denen sie eine Neigung zu bestimmten Krankheiten zuweisen. Menschen mit einer braunen Irisseien dieser Diagnose-Methode nach besondersanfällig für Kreislauf- und Bluterkrankungen. Eine blaue oder gräuliche Färbung deute dagegen auf eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten im Bereich des Lymph- und Muskelsystems hin. Bei einer grünlich-braunen oder grünen Iris handelt es sich um eine Mischkonstitution, die auf eine Neigung zu Leber- und Magenbeschwerden hinweisen soll. Diese Diagnose-Methode ist äußerst kritisch zu sehen. Farbflecken oder andere Strukturen auf der Regenbogenhaut können, müssen aber nicht auf krankhafte Veränderungen der Organe hinweisen. Fakt ist, dass sich aus den Augen nur eine sichere Diagnose in Bezug auf die Funktion der Augen selbst stellen lässt, Rückschlüsse auf den gesamten Körper sind mit Vorsicht zu genießen.“

Welche Gefahren können von einer unzureichenden Diagnose ausgehen?

Privatdozent Toam Katz M.D.: „Es gibt bislang keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass die Iris-Diagnose genetische Veranlagungen und  Anfälligkeiten für Krankheiten diagnostizieren kann. Ganz im Gegenteil: Eine genaue Analyse aller bisher erhobenen Validierungsstudien konnte zeigen, dass die Iris-Diagnose nicht treffsicher ist. Außerdem wurde bereits von mehreren Medizinern wissenschaftlich widerlegt, dass von allen Teilen des menschlichen Körpers Nervenverbindungen zur Iris bestehen. Gerade einmal 60 Prozent aller Nervenfasern sind mit der Iris verbunden. Aber viel wichtiger: Die Iris-Diagnose birgt auch Gefahren für den Patienten. Fehldiagnosen haben in der Vergangenheit zu falschen Behandlungsmaßnahmen geführt, die großen Schaden angerichtet haben. Ich rate daher von einer Iris-Diagnose ab. Weitere, schulmedizinische Untersuchungsmethoden sowie ein umfangreiches Anamnese-Gespräch sind unabdingbar.“

Die Hinweise ersetzen nicht den Besuch beim Augenarzt.

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