Augenfarbe ändern? so gefährlich sind Irisimplantate und Hornhauttätowierung

Augenfarbe ändern? So gefährlich sind Irisimplantate und Hornhauttätowierung

Ein tiefes Blau, geheimnisvolles Grün oder warmes Braun – das Farbenspiel unserer Augen ist schier unendlich und so individuell wie ein Fingerabdruck. Eigentlich gilt unsere Augenfarbe deshalb als unveränderliches Erkennungsmerkmal und muss als Teil der Identität sogar im Personalausweis angegeben werden. Eigentlich! Aktuell breitet sich ein fragwürdiger Trend aus: die dauerhafte Veränderung der eigenen Augenfarbe mittels Irisimplantat oder Tätowierung. Was schon beim Lesen schmerzhaft klingt, ist in der praktischen Umsetzung sogar richtig gefährlich! „Derartige Eingriffe am Auge können schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursachen und sogar die Sehkraft gefährden“, warnt Priv.-Doz. Toam Katz M.D., Facharzt für Augenheilkunde bei CARE Vision Germany und Oberarzt am UKE in Hamburg.

Seit Jahren kennen wir farbige Kontaktlinsen, um unsere Augenfarbe zumindest temporär zu verändern. Neu sind operative Eingriffe wie das Einsetzen eines Irisimplantats oder die Tätowierung der Hornhaut. Bitte erklären Sie uns, wie diese Eingriffe funktionieren.

Priv.-Doz. Toam Katz M.D.: „Ein Irisimplantat ist ein dünnes farbiges Silikonscheibchen, das durch einen Schnitt am Rande der Hornhaut in die Vorderkammer des Auges – also vor die farbige Regenbogenhaut – gesetzt wird. Dadurch lässt sich die natürliche Augenfarbe komplett verändern. Bei der Farbveränderung mittels Hornhauttätowierung wird mithilfe des Femtosekundenlasers ein ringförmiger Tunnel in der Hornhaut präpariert. In diesen wird dann ein Farbstoff injiziert, der zu einer Veränderung der natürlichen Augenfarbe führt. Der Fachbegriff für diesen Eingriff lautet ,Kosmetische ringförmige Keratopigmentation‘.

Lassen sich mit diesen beiden Eingriffen überhaupt natürlich wirkende Ergebnisse erzielen?

Priv.-Doz. Toam Katz M.D.: „Sehen die Ergebnisse der Irisimplantation noch einigermaßen natürlich aus, liefert die Hornhauttätowierung eher unnatürliche Farbeffekte. Man muss auch sagen, dass leider beide Eingriffe immer beliebter werden. Besonders Menschen mit braunen Augen wünschen sich häufig eine hellere, strahlendere Farbe – zum Beispiel blau oder grün.“

Welche Risiken bergen diese Eingriffe für die Augen?

Priv.-Doz. Toam Katz M.D.: „Beide Eingriffe sind mit enormen gesundheitlichen Risiken verbunden. So kann es nach einer Irisimplantation beispielsweise zu Entzündungen, Lichtempfindlichkeit, einem Fremdkörpergefühl im Auge und schweren Schädigungen an Hornhaut, Iris oder Linse kommen. Grundsätzlich ist es so, dass in der Vorderkammer des Auges gar kein Platz ist, um ein Implantat einzusetzen. Tut man dies doch, besteht die Gefahr, dass der Augendruck ansteigt und ein sogenanntes Sekundärglaukom – also ein grüner Star – entsteht. Das Implantat muss dann unverzüglich entfernt und das Glaukom medizinisch behandelt werden. Schlimmstenfalls droht der Verlust der Sehkraft. Auch bei der Hornhauttätowierung kann es zu Komplikationen wie schweren Entzündungen oder Farbstoffunverträglichkeiten kommen. Dadurch kann die Hornhaut nachhaltig geschädigt werden. Zudem führen sowohl die Tätowierungsmethode, als auch die Irisimplantation dazu, dass die Anpassung des Auges an die Lichtverhältnisse beeinträchtigt wird. Unter natürlichen Umständen verengt sich die Iris bei Helligkeit beziehungsweise weitet sich bei Dämmerung und sorgt dadurch für eine gute Sicht bei unterschiedlichen Beleuchtungssituationen. Nach den Eingriffen jedoch bleibt die Pupille fixiert, was insbesondere Nachts zu einer Sehleistungsminderung führen kann. Zu beiden Eingriffen gibt es keine Studien über die langfristigen gesundheitlichen Folgen.“

Kann man die Eingriffe rückgängig machen, wenn man die Farbe satt hat?

Priv.-Doz. Toam Katz M.D.: „Die Irisimplantation ist reversibel, da das Implantat jederzeit wieder entfernt werden kann. Häufig sieht man aber erst danach, welche Schädigungen die natürliche Regenbogenhaut von diesem vermeintlichem Schönheitstrend davongetragen hat. Eine Hornhauttätowierung ist hingegen nicht umkehrbar. Hat man sich einmal für die Farbveränderung entschieden, bleibt diese für immer.“

Wie bewerten Sie Eingriffe dieser Art generell?

Priv.-Doz. Toam Katz M.D.: „Ich kann allen Menschen, die eine dauerhafte Veränderung der Augenfarbe in Betracht ziehen, nur dringend von beiden Eingriffen abraten. Die medizinischen Risiken sind einfach zu groß, die langfristigen gesundheitlichen Folgen nicht bekannt. Man sollte wirklich darüber nachdenken, ob der rein kosmetisch begründete Wunsch nach einer anderen Augenfarbe es wert ist, gegebenenfalls schwere schmerzhafte Augenerkrankungen und letztendlich auch die Sehkraft zu riskieren. Falls der Wunsch nach der Farbveränderung trotzdem weiterhin besteht, bieten farbige Kontaktlinsen eine weitaus relativ ungefährlichere Alternative. Wenn man diese nicht dauerhaft trägt, die hygienische Handhabung gewissenhaft ausführt und regelmäßig zur augenärztlichen Kontrolle geht, sind sie aus medizinischer Sicht unbedenklich.“

Dürfen Irisimplantationen und Hornhauttätowierungen in Deutschland überhaupt durchgeführt werden?

Priv.-Doz. Toam Katz M.D.: „Nein, Irisimplantationen aus rein kosmetischen Gründen sind in Deutschland bislang glücklicherweise noch nicht zugelassen, im Ausland teilweise schon. Übrigens: Falls es nach dem Eingriff zu Komplikationen kommt, die eine augenärztliche Behandlung oder sogar die Entfernung der Implantate erfordern, werden die Krankenkassen höchstwahrscheinlich nicht für die Versorgung aufkommen. Da es sich ursprünglich um einen rein kosmetischen, also medizinisch nicht notwendigen Eingriff gehandelt hat, muss der Patient die Behandlungskosten, die durchaus sehr hoch sein können, in der Regel aus eigener Tasche bezahlen. Auch die Tätowierung der Hornhaut ist in Deutschland nicht erlaubt. Für beide Eingriffe ist die Zulassung allerdings beantragt. Als Augenmediziner muss ich ganz klar sagen: Ich hoffe sehr, dass es nicht soweit kommt.“

Eine letzte Frage führt uns noch einmal zurück zu den Linsenimplantaten. Bei bestimmten Eingriffen werden sie ja auch hierzulande eingesetzt. Sind diese OPs aus medizinscher Sicht ebenfalls bedenklich?

Priv.-Doz. Toam Katz M.D.: „Nein. Es stimmt, dass die Augenheilkunde Linsenimplantate zur Behandlung von Alterssichtigkeit, grauem Star oder auch zur Korrektur sehr starker Fehlsichtigkeiten einsetzt. Diese Eingriffe sind im Gegensatz zur Irisimplantation allerdings medizinisch lang erprobt und gelten als sehr sicher. Zudem handelt es sich bei den Implantaten um hochmoderne Hinterkammerlinsen, also Medizinprodukte, die umfassend auf ihre Sicherheit und Verträglichkeit geprüft und zur Behandlung zugelassen sind. Sie werden entweder zusätzlich zur körpereigenen Linse oder im Austausch eingesetzt. Wie der Name schon sagt, sitzen diese Linsen im hinteren Bereich des Auges. Im Gegensatz zur Vorderkammer ist hier genügend Platz für das Implantat, das in der Regel auch sehr gut verträglich ist. Daher besteht in Sachen Risiken absolut kein Vergleich zur Irisimplantation.“

Diese Hinweise ersetzen nicht den Besuch beim Augenarzt.

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