überanstrengte Augen: Symptome erkennen und Tipps, um den Alltag wieder mit klarem blick meistern

Überanstrengung der Augen: Den Alltag wieder mit klarem Blick meistern

Unsere Augen sind fortwährend auf Höchstleistungen eingestellt. Von früh bis spät müssen sie unseren visuellen Ansprüchen tadellos genügen. Oft geht schon der erste Blick des Tages auf den Bildschirm unseres Smartphones. Danach folgen häufig zahlreiche Stunden vor dem Computerbildschirm im Büro. Nach einem langen Arbeitstag entspannen wir uns noch vor dem Fernseher, surfen auf dem Sofa mit dem Tablet oder lesen uns bei Schummerlicht in den Schlaf. Für unsere Augen ist solch ein Tag eine einzige Herausforderung. Sie überanstrengen, sind müde, trocken und gereizt. Was die Alltagsbelastungen für unsere Augen bedeuten, welche Schäden entstehen können und wie man selbst Abhilfe schaffen kann, erklärt Toam Katz M.D., Facharzt für Augenheilkunde und medizinischer Direktor bei CARE Vision Germany.

Wie macht sich eine Überanstrengung der Augen bemerkbar?

Toam Katz M.D.: „Als unser wichtigstes Sinnesorgan müssen wir uns immer auf unsere Augen verlassen können. Viel zu selten ermöglichen wir ihnen jedoch, sich von den vielfältigen Anforderungen im Alltag zu regenerieren und gönnen ihnen Erholungspausen. Überlastungsanzeichen der Augen sind sehr individuell zu sehen und erstrecken sich über ein breites Spektrum. Typischerweise zeigen überlastete Augen folgende Symptome: Sie sind müde, trocken, gereizt, jucken, brennen, tränen oder können auch leicht schmerzen. Kopfschmerzen und ein Fremdkörpergefühl können ebenfalls Begleiterscheinungen überanstrengter Augen sein. Oft meiden Betroffene auch grelles Licht und fühlen sich leicht geblendet. Das Leidensbild kann zudem durch andere Faktoren wie gesundheitliche Probleme oder allgemeinem Stress noch verstärkt werden.“

Smartphone, Computer, Fernseher: Wir schauen tagtäglich mehrere Stunden auf Bildschirme. Welche Auswirkungen hat das auf unsere Augen?

Toam Katz M.D.: „Durch den konzentrierten Blick auf den Monitor verringert sich unsere Blinzelrate erheblich. Statt normalerweise circa 22 Liedschläge pro Minute sind es bei längerer Arbeit am Bildschirm nur noch etwa sieben. Die Folge: Der schützende Tränenfilm wird zu selten erneuert, die Feuchtigkeit verdunstet und die Augen fühlen sich trocken und müde an. Eine trockene Raumluft zum Beispiel durch Klimaanlage oder Heizung verschlimmert das Problem oft zusätzlich. Man spricht auch vom sogenannten „Office-Eye-Syndrom“. Auch der direkte Blick in die Lichtquelle des Bildschirms belastet die Augen. Blendungen durch Sonnenlicht oder Reflexionen der Raumbeleuchtung erschweren das Sehen am Bildschirm zusätzlich.“

Können die Augen durch die Arbeit am Computer langfristig Schaden nehmen?

Toam Katz M.D.: „Sind die Augen dauerhaft überanstrengt und trocken, haben Krankheitserreger gute Chancen. Unser Lidschlag wirkt in Kombination mit der Tränenflüssigkeit wie ein Scheibenwischer für die Augen. Staub und Krankheitserreger werden bei einem normal feuchten Auge sofort weggewischt und herausgeschwemmt. Ist das Auge durch Überanstrengung zu trocken, ist dieser Schutzmechanismus jedoch gestört. Dies kann zu Entzündungen und Erkrankungen unter anderem der Hornhaut führen.“

Was sind Ihre Tipps für ein entspanntes Arbeiten am Computer?

Toam Katz M.D.: „Wichtig sind regelmäßige Pausen für die Augen. Etwa alle 20 Minuten sollte der Blick aus dem Fenster schweifen und ein weit entfernter Punkt fixiert werden. Dadurch werden die Augen wieder in eine entspannte Ruheposition gebracht. Wichtig ist auch, dass der Monitor richtig aufgestellt ist. Die obere Bildschirmkante sollte sich fünf bis zehn Zentimeter unterhalb der Augenhöhe befinden. Ein leicht nach unten gerichteter Bildschirm lässt uns in der Regel häufiger blinzeln. Auch spezielle Computer-Software soll unsere Augen mit einem Reiz auf dem Bildschirm zum häufigeren Blinzeln anregen. Der ideale Abstand zwischen Auge und Bildschirm beträgt 50 bis 75 Zentimeter. Um die Augen nicht zu blenden, sollte kein Licht direkt auf den Bildschirm fallen. Besser ist indirekte Beleuchtung von der Seite. Klimaanlagen oder Ventilatoren sollten so aufgestellt werden, dass der Luftzug nicht direkt ins Gesicht weht.“

Welche weiteren Faktoren können eine Überanstrengung der Augen hervorrufen?

Toam Katz M.D.: „Neben der konzentrierten Bildschirm-Arbeit können auch Schadstoffe in der Luft, Zigarettenrauch und langes Fernsehen die Augen überanstrengen und reizen. Trockene Augen können auch krankheitsbedingt sein und beispielsweise von Rheuma, Diabetes oder Erkrankungen der Schilddrüse ausgelöst werden, ebenso von manchen Medikamenten wie Antidepressiva und Hormonpräparaten. Meistens sind jedoch Umwelteinflüsse und eine zu geringe Blinzelrate für müde und brennende Augen verantwortlich. Auch eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr ist schlecht für die Augen. Sind die Augen längere Zeit immer wieder überanstrengt und trocken, sollte das mit einem Arzt abgeklärt werden.“

Was kann man tun, wenn man bemerkt, dass die Augen ihre Belastungsgrenze überschritten haben?

Toam Katz M.D.: „Pause machen, abschalten und eine Umgebung mit natürlichem Licht aufsuchen. Sehr gut sind Entspannungsübungen für die Augen, zum Beispiel indem man nacheinander fünf Objekte in unterschiedlichen Entfernungen fixiert und mit den Augen von einem zum anderen springt. Man startet mit einem Objekt in der Nähe und bewegt sich immer weiter weg. Auch ein herzhaftes Gähnen tut den Augen gut. Beim Gähnen füllen sich unsere Augen ganz natürlich reflexartig mit Tränen. Sollten derlei Entspannungsübungen nicht reichen, kann der Tränenfilm mit entsprechenden Augentropfen unterstützt werden. Am besten verwenden Betroffene befeuchtende Augentropfen, die in jeder Apotheke erhältlich sind. Die Augen werden auch entlastet, wenn vermehrt andere Sinnesorgane angesprochen werden: Musik hören, miteinander reden oder ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft sind Wohltaten für überanstrengte Augen.“

Diese Hinweise ersetzen nicht den Besuch beim Augenarzt.

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